Für den 26. April 2025 rufen rechte und faschistische Gruppen bundesweit zu Demonstrationen auf. Im süddeutschen Raum soll es unter anderem Aufmärsche in Karlsruhe, Reutlingen, Nürnberg und München geben. Hinter der Initiative, die unter dem Motto „Gemeinsam für Deutschland“ in Erscheinung tritt, steckt ein Bündnis aus den Ausläufern der rechten Querdenken-Bewegung und neuen Nazi-Gruppen.
Einen ersten Anlauf hatte das Bündnis bereits Mitte März genommen, damals folgten dem Aufruf bundesweit einige tausend Menschen, darunter in einigen Städten auch hunderte gewaltbereite Nazis. Schon im März schlug diesen Nazis in den Städten harter Gegenwind ins Gesicht: teilweise konnten Aufmärsche blockiert werden. Daran gilt es anzuknüpfen.
Wir rufen alle Antifaschist:innen auf, die Nazis am 26. April nicht durch die Straßen unserer Städte ziehen lassen! Lasst uns gemeinsam diese Märsche verhindern.
Der Aufruf der Nazis kommt nicht unerwartet. Es war nur eine Frage der Zeit, bis im Zuge der gesellschaftlichen Rechtsentwicklung auch die militante faschistische Bewegung wieder erstarkt und auf die Straße drängt. Im Windschatten des AfD-Erfolgs und der gesellschaftlichen Rechtsentwicklung entstehen neue Nazi-Gruppen wie der „Deutsche Störtrupp“ oder die „Revolte“-Gruppen. Das Auftreten der Gruppen und ihre Rhetorik erinnern stark an die frühen 90er – Bomberjacke, kurze Haare und „Deutschland den Deutschen“ ist wieder in.
Dass faschistische Gruppen in einer der tiefgreifendsten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisen seit dem Ende des zweiten Weltkriegs entstehen, kommt nicht von ungefähr. Krieg, Krise, Abstiegsängste und Perspektivlosigkeit sind der Hintergrund vor dem rechte Ideologie auf fruchtbaren Boden fällt. Mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen, mit Rassismus und nach unten treten finden vor allem junge Männer momentan ein Ventil für ihre Unzufriedenheit mit den Verhältnissen. Die Gefahr, die von den Nazis ausgeht, darf nicht unterschätzt werden – so jung und platt sie momentan auch auftreten mögen. Wo Worte sind, folgen eher früher als später auch Taten. In den 90ern haben Geflüchtetenunterkünfte gebrannt, wurden dutzende Menschen von Faschist:innen ermordet. Wenige Jahre später zog der NSU mordend durchs Land. Gründe genug dem neuen Phänomen im Hier und Jetzt eine Absage zu erteilen und die Nazis 2025 früh und konsequent in die Schranken zu weisen. Denn nur das hilft nachhaltig. Jeder Meter, den die Nazis nicht laufen können, ist ein Schlag gegen ihr Selbstbewusstsein und wirkt sich negativ auf den Aufbau der faschistischen Strukturen aus.
Wie das gelingen kann? Indem wir es selbst in die Hand nehmen. Alle gemeinsam und mit Allem was dafür nötig ist. Gegen Nazis hat es noch nie geholfen die Bürgersteige hochzuklappen – es braucht Widerstand auf vielen Ebenen: lautstarker Protest an den Gittern, Blockaden der Naziroute, direkte Aktionen gegen Nazigruppen. Das solidarische Zusammenspiel aller, die das Ziel teilen den Nazis die Straße zu nehmen, ist entscheidend für den gemeinsamen Erfolg. Denn die Straße ist und bleibt der zentrale Ort der politischen Auseinandersetzung – umso notwendiger sie gegen Faschist:innen zu verteidigen.
Am 26. April 2025: Alle auf die Straße. Den Nazis keinen Fußbreit, auf allen Ebenen & mit allen Mitteln. In Karlsruhe, in München, in Reutlingen, in Nürnberg und sonst wo.
» Die März-Mobilisierungen von „Gemeinsam für Deutschland“ haben auch verdeutlicht, dass nicht an allen Stellen Nazis auf den Querdenken-Zug aufgesprungen sind. Die faschistischen Gruppen haben gezielt Schwerpunkte gelegt. Dabei kann, aber muss es nicht bleiben.
Aktuelle Infos zu Protestschwerpunkten, Anlaufpunkten und Anreisen finden sich tagesaktuell unter www.antifa-info.net/26-04/.
» Die Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand ist mehr als berechtigt und Widerstand gegen die kapitalistische Krise, gegen Aufrüstung, den deutschen Kriegskurs, die rechte Regierung und die Angriffe auf die Reste des Sozialstaats sind bitter notwendig.
Wirklicher Widerstand gegen die kapitalistische Misere kann aber nur von denen kommen, die sie grundlegend in Frage stellen und überwinden wollen – also von links. Die Perspektive muss die einer solidarischen, klassenlosen Gesellschaft sein. Eine gute, wenn nicht gar die Gelegenheit schlechthin, dafür auf die Straße zu gehen ist der traditionelle Kampftag der Arbeiter:innenklasse am 1. Mai.
Am 26. April die Nazi-Aufmärsche verhindern und vier Tage später für eine Perspektive jenseits des kapitalistischen Elends auf die Straße gehen. Heraus zum 1. Mai! Beteiligt euch an den gewerkschaftlichen Mobilisierungen und revolutionären Demonstrationen.
Antifaschistische Aktion Süd, 2. April 2025
Aufruf als PDF (zum ausdrucken)